Bericht des Albert Tiarks über die Weihnachtsflut 1717

(allgemein verständlich übersetzt)

 

Ich wurde bei meiner heutigen Ankunft von wohlhochgnädigst zu Jever beauftragt von den Folgen des gestrigen Sturm und vom unbeschreiblichen Schaden ein Bericht in schriftlicher Form zu erstatten.

So berichte ich gehorsamst das des Nachts zwischen dem 24. und 25. Dezember des morgens ungefähr um 5 Uhr der Deichläufer von Mariensiel bei mir mit einem Pferde angekommen meldete, dass das Wasser an dem alten Deich wäre und noch viel mehr davon kommen würde.

Darauf bin ich sogleich mit meinem Gehilfen Johann Lücken Behrends zu Pferde nach Mariensiel geritten um so viel wie möglich zu retten. Wie wir aber vom Mitteldeich kamen wurden wir von den Wellen dermaßen gezwungen, das für das Leib und Leben Gefahr bestand und wir nach der sogenannten Hörren im Krughause uns retteten, woselbst wir so lange bis zum 28. Abends verharren mussten. Am 29. erhielten wir ein Boot womit wir die Möglichkeit hatten die noch auf den Dächern sitzenden Leute zu retten. Von Harem Marckens Haus bis nach Mariensiel  wurden ungefähr hundert Menschen mit ihren Häusern weggespült oder teils in ihren Häusern jämmerlich umgekommen und tot aufgefunden. Was die Deiche anbelangt so sind solche von Ellenserdamm sowohl als die alten Deiche bis Meyenfeld weggespült, teils zerrissen und in einen miserablen Zustand versetzt.  Der Mariensieler Deich ist ganz weggerissen .Am Siel sind verschiedene Häuser, auch das Wage Haus mit Zubehör ganz weggerissen, so dass davon nicht das geringste zu sehen ist.

Von da aus habe ich mich auch nach Rüstringersiel begeben, wo ich die Deiche im gleichen Zustand vorfand. ........viele Häuser sind teils gar weggespült, teils aber sehr beschädigt. Aus diesem sowie dem nächst gelegenem Kniephausersiel fehlten an die 70 Personen, die teils mit ihren Häusern weggerissen oder tot aufgefunden wurden. In Nyender und Sandumer Kirchspiel hat man leider wenig Menschen und Vieh vorgefunden, weil meist alle Häuser an Mauern und Wänden derart beschädigt waren, das man durch sie sehen konnte. Ausserhalb des Rüstringer Siels waren eine Menge toter Körper angespült.

Von Rüstringersiel haben wir uns durch das Kniephausische  und Sillenstedische Gebiet begeben, und nichts als lauter Jammer und Elend vorgefunden. Gott erbarm es. Ja, ein unbeschreibliches Elend gesehen und wahrgenommen.

Sobald das Wasser zurückgeht und ich mehr in Erfahrung bringen kann werde ich weiter berichten.

Euer Gnaden die Obhut des Allmächtigen empfehle und lebenslang verharre..

 

Jever den 30 ten Dec 1717                         Euer Gnaden  gehorsamster Knecht

Albert Tiarks