Die Häuser in Mariensiel
Das ca. 1866 (erste Grundbucheintragung) erbaute Haus war Schiffsmeldestelle (Registrierung der ein- und auslaufenden Schiffe), sowie Holz-, Baustoff- und Kohlenhandel. Zu damaliger Zeit war Mariensiel ein wichtiger Ort für den Schiffsverkehr. Allein 1866 machten 120 See- und Küstenschiffe im Hafen fest. Es herrschte Hafenstadtatmosphäre. Das Gebäude wurde nach der Explosion abgerissen und in veränderter Form 1920 wieder aufgebaut. Von ca. 1960 - 1990 war es ausschließlich Kohlen- und Heizölhandel sowie für einige Jahre Poststelle des Ortes.
Das große Gebäude mit den Nummern 3 u. 3a war Anfang des Jahrhunderts das schönste Haus in Mariensiel. Die Marienburg. Es war Gaststätte und Tanzlokal der gehobenen Gesellschaft. Es hatte damals einen Tanzsaal sowie eine Tanzfläche im Garten. Während des Explosionsunglückes 1919 wurde das Haus stark beschädigt. Durch das Jahr 1970 hindurch erfolgte der Umbau zum 2-Familienhaus.
Gegenüber mit der Hausnummer 6 steht die Villa der Familie Mertens. Heute mit Abstand das schönste und beeindruckendste Gebäude in Mariensiel.
Mit der Familie Mertens verbindet man die Ziegelei Wilhelmshaven. Die Ziegelei wurde am 04. Oktober 1899 gegründet. 1902 erhielt die Familie einen neuen Ringofen und ein zweiter Schornstein wurde errichtet (Bis 1972 waren die jeweils 40m hohen Schornsteine Wahrzeichen von Mariensiel). Die Ziegelei gehörte zu den größten Ziegeleien im Oldenburger Land. Es wurden rote und später bunte Klinker aus Klei gebrannt. Die Jahresproduktion belief sich auf rund 10 Millionen Ziegel. 1965 stellte die Ziegelei ihre Produktion ein. 1972 wurden die Schornsteine schließlich gesprengt.
Heute ist an der Straße zur Ebkeriege nur noch das ehemalige weiße Büro- und Arbeiterhaus der Ziegelei erhalten.
Links neben der Einfahrt zum Banter Weg befindet sich der Mariensieler Hof, ein damaliger Erbpachtkrug von ca. 1845, damals mit einem geräumigen Wohnhaus, Stallungen, einem Holzschuppen und Hofraum mit Garten. Im Laufe der Zeit erfüllte es vielerlei Funktionen. So war es zeitweise Zoll- und Wirtshaus, Bäckerei, Kegelbahn und Bordell. Derzeit dient es als Domizil des "Biker Treff am Siel". Noch heute sind an der Leuchtreklame die 2 Herzen der ursprünglichen Nutzung als Freudenhaus erkennbar.
Mit dem Mariensieler Hof verbindet man in den Siebzigern den legendären Ruf von Mariensiel. Man nannte es "das sündigste Dorf in Friesland". Mitte der 70er Jahre hatte das 700 Einwohner zählende Dorf 4 Sex Bars. Neben dem Mariensieler Hof gab es die Tropicana Bar, den Club 145 und das Lokal zur Hölle. Alle hatten ihren Parkplatz geschützt im Hof. Für 50 Mark war "Mann" gut dabei. Das wussten vor allem die Seeleute zu schätzen, die zur Hauptkundschaft der Damen gehörten. Als 1976 der amerikanische Flugzeugträger "Nimitz" in Wilhelmshaven vor Anker ging, erlebten die Sexbars im kleinen Mariensiel die absolute Hauptstoßzeit. Da war in der "Hölle" der Teufel los. Nach der Fertigstellung der Umgehungsstraße schloss auch die letzte Bar ihre Zimmer.
Zur Einfahrt in die Umfangstrasse wo jetzt 3 Einfamilienhäuser stehen, befand sich die Gaststätte am Siel, die ca. 1770 erbaut und etwa 2005 abgerissen wurde. Es war eines der ersten Häuser in Mariensiel: Brauhaus, Lokal, Gaststätte und der Mittelpunkt des Mariensieler Lebens.
Gegenüber steht das alte "Packhaus Lohe". Es war 1806 Speicher für Waren wie z.B. Getreide, Reis, Sirup, Schmalz, getrocknete Südfrüchte und Holz, die über den Seeweg nach Mariensiel kamen. Es gehört heute zu den ältesten Häusern im Ort. Die Handelsbeziehungen reichten damals bis nach Leningrad. Während der Explosion im Dorf 1919 wurde die stark zerstörte Scheune abgerissen. 1934 und 1968 wurde das Objekt von Familie Geithner umgebaut. Heute hat dort die Gebäudereinigungsfirma GLS ihren Sitz. Bild Links oben von 1910. Bild 2. Reihe Mitte von 1937/ 38. Der Garten 1968.
1954 wurde an der Umfangstrasse die Schule gebaut. Bis 1914 mussten die Schulkinder Mariensiels auf Schusters Rappen (Zu Fuß) einen Schulweg von über 2,5 km zurücklegen, bis sie ihre Schule in Sande erreichten. Mit der Errichtung der Schule Sande-Seedeich in Altenhof 1914 verringerte sich der Schulweg auf 1 km. 1955 wurde die Volksschule Mariensiel mit zwei Klassenräumen in Betrieb genommen. 1975 wurde die Schule bei einem Feuer fast vollständig zerstört. Über dem ehemaligen Lehrerzimmer (oder besser über dem, was noch übrig blieb) hängt heute das Firmenschild der Papier- und Schreibwarengroßhandlung Fels & Co.
Auf der alten, handgemalten Karte von 1785 lag das Haus unmittelbar am Deich. Andreas Magnus betrieb die Kalkbrennerei, in der er aus Muschelkalk Mörtel herstellte. Als das Haus in den sechziger Jahren abgerissen wurde, konnte man die Kalkkuhle besichtigen.
Die Hausnummern 14a und b gehören heute zu einem 1987 errichteten Doppelhaus mit 10 Eigentumswohnungen. An gleicher Stelle stand im 2. Weltkrieg ein großer Luftschutzbunker, der, nachdem er sinnlos geworden war, gesprengt wurde. Die Bunkerbodenplatte dient dem Haus als Fundament.
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